Archiv der Kategorie 'Presse'

Postsoldaten voll auf dem Posten

Die Deutsche Post profitiert in zunehmendem Maße von den Kriegseinsätzen der Bundeswehr im Ausland. Allein der Umfang der Feldpost nähert sich dem Postaufkommen einer Großstadt. Die Konzernmitarbeiter, die als „Postsoldaten” von der Feldpost-Leitzentrale Darmstadt gesteuert werden, sind sämtlich Bundeswehr-Reservisten. Hinzu kommt, dass die DHL, Tochter der DP und weltweit führender Logistikkonzern, umfangreiche Aufträge in der Militärlogistik akquirieren will.

Die Deutsche Post klebt bereits seit einigen Monaten großformatige Post-Plakate mit dem Abbild eines uniformierten Afghanistan-Kämpfers des deutschen Expeditionskorps. Die Kampagne soll „den Soldatenberuf in der Gesellschaft präsent machen”, wie es bei der DP heißt. Das Unternehmen beschäftigt einen „Konzernrepräsentanten Military Affairs Bundeswehr/NATO”.

Demnächst wird entschieden, wer den mit Abstand größten Logistikauftrag der Bundeswehr erhält – für die „Lagerung und Bewirtschaftung von Material” und für „Transportleistungen für Material, Sanitätsmaterial, Munition, Betriebsstoffe und begleitendes Personal”. Dabei geht es insbesondere auch um Munitionsmaterial sowohl innerhalb Deutschlands als auch in die Manöver- und Kriegsgebiete in aller Welt. Es wird mit einem Milliardenvolumen gerechnet, der Deutschen Post wird eine gute Chance bei der Akquise zugeschrieben. Schließlich ist die Firma schon jetzt in erheblichem Maß für die Bundeswehr und für die US-Armee tätig.

Quelle: Aktionszeitung „Proteste gegen die NATO-Sicherheitskonferenz am 6. und 7. Februar 2009 in München“

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Berlin: DHL-Transporter angezündet

DHL-Fahrzeug„In der Nacht zu Montag wurde in Neukölln ein Lkw der Post-Tochter DHL angezündet. Ein Passant hatte gegen 1 Uhr früh die Flammen bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Es wurden in der linken Szene oft verwendete Brandbeschleuniger genutzt“, meldete der Tagesspiegel am 20. Januar 2009. Der Berliner Kurier ergänzt: „Diesmal erwischte es keine Luxus-Limousine, sondern ein braves Arbeitstier: Einen lichterloh brennenden gelben Ford Transit, der normalerweise Päckchen und Pakete für den Deutsche-Post-Ableger DHL transportiert, meldete gestern früh gegen 1 Uhr ein Passant auf dem Truseweg dem Feuerwehr-Notruf. Den Löschkräften bot sich am Einsatzort das schon vertraute Bild: Hohe Flammen schlugen aus dem Motorraum des Transporters in die dunkle Nacht. Nachdem diese gelöscht waren, war der brave Päckchen-Muli nur noch Schrott. Personen kamen durch den Brand nicht zu Schaden.“

Der Webseite direct action news wurde eine Erklärung zugeschickt:

„In der Nacht zum 19.1.09 entzündete sich unsere Wut über die bestehenden Verhältnisse an einem Transporter der Deutschen Heeres Logistik (DHL).“ Die Autoren beziehen sich dabei auf den Text, der im Oktober 2008 beim langen Tag des Antimilitarismus entstand.

Anschläge auf DHL-Fahrzeuge soll es laut Berliner Zeitung in der zweiten Januarhälfte auch in Kreuzberg und Friedrichshain gegeben haben.

junge Welt: Kriegslogistiker DHL

Post-Tochter bewirbt sich um Bundeswehrauftrag

Kürzlich meldeten diverse Me­dien, daß die Deutsche Post die Zustellung von Briefen und Paketen von sechs auf fünf Tage in der Woche einschränken möchte. In einer anderen, lukrativeren Sparte will der Konzern hingegen expandieren. Die hundertprozentige Post-Tochter DHL bewirbt sich als Logistikdienstleister der Bundeswehr. Kriegsgegner nehmen dies zum Anlaß für eine antimilitaristische Kampagne.

Die Bundeswehr plant, im kommenden Jahr große Teile ihrer Logistik auszulagern. Bei ihrer im Sommer 2008 erfolgten Ausschreibung für den Bereich »Lagerhaltung und Distribution« handelt es sich um einen Milliardenauftrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Privatisiert werden soll neben der Lagerung und Bewirtschaftung von Bundeswehrmaterial auch der Transport von Militärgütern innerhalb der Bundesrepublik und weltweit an Kriegsschauplätze. Lediglich die Lagerung von Munition, Sanitätsmaterial und Treibstoffen bleibt noch unter Hoheit der Bundeswehr.

Zu den Bewerbern zählen neben der Post-Tochter DHL die Deutsche Bahn mit ihrem Transportunternehmen Schenker, die Dienstleistungsfirma Arvato aus der Bertelsmann-Gruppe sowie ein Konsortium unter Beteiligung der Bremer Hellmann Logistics und des Rüstungskonzerns EADS. Derzeit läuft das Auswahlverfahren. Im Frühjahr wird mit einer Entscheidung aus dem Verteidigungsministerium gerechnet. Die größten Chancen werden DHL eingeräumt. Die Deutsche Post transportierte schon 2002 Rüstungsgüter bis 50 Kilogramm und militärische Dokumente der Bundeswehr. Im Jahr darauf stieg DHL als Logistikpartner des US-Militärs im Irak und in Afghanistan ein. Parallel zur Bewerbung von DHL begann Ende August 2008 der Mutterkonzern Deutsche Post eine Werbeaktion zur Verbesserung der »Akzeptanz der Bundeswehr in der Öffentlichkeit«.

Um die Beteiligung des weltweit führenden Logistikkonzerns an der Kriegsführung öffentlich zu skandalisieren, starten Antimilitaristen eine Kampagne gegen DHL. Das Unternehmen stehe wie kein anderes für die Privatisierung der Kriegsführung, sagt Reiner Schmidt von der Interventionistischen Linken (IL) und der Initiative »Bundeswehr wegtreten« aus Köln. Die IL ruft deswegen zu Aktionstagen gegen den Kriegslogistiker auf: »Sie unterhalten Filialen und Einrichtungen in allen Städten. Hier läßt sich leicht eine Vielzahl von öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten entfalten. Der Schulterschluß von Wirtschaft und Militär kann so thematisiert und angegriffen werden.«

Die Initiatoren der Kampagne bezeichnen DHL als »Deutsche Heeres Logistik«. Sie zielen damit auf eine Image-Verschmutzung des Unternehmens, das um sein gutes Ansehen besorgt ist. Es versucht nämlich in der Öffentlichkeit, seine militärische Unterstützung auf die Zustellung von Feldpost herunterzureden. Genau hier versucht die Anti-DHL-Kampagne einzugreifen und den Konzern als Vorreiter bei der Verankerung von Krieg in Gesellschaft und Ökonomie in das richtige Licht zu rücken.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2008/12-15/026.php