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DHL zieht erweiterte Kriegslogistik-Bewerbung zurück

Das könnte einige AntimilitaristInnen jubeln lassen: Zumindest riecht es nach einem Etappensieg für die seit einem Jahr existierende, (ungewöhnlich militante) Kampagne gegen den Kriegslogistiker DHL (daher oft „Deutsche Heeres Logistik“ genannt):

Das Milliardenprojekt zur Privatisierung von Bundeswehr-Lagern und -Transporten könnte kippen. Kurz vor Ablauf der (bereits um über ein Jahr verlängerten) Angebotsfrist am 30. November hat die Deutsche-Post-Tochter DHL einen Rückzieher gemacht. Nach Financial Times Deutschland vom 22.11.09 gab es in den DHL-Gremien kein grünes Licht für ein Angebot, weil die mit dem Auftrag verbundenen Risiken als zu groß galten. Die Konzernmutter Deutsche Post bestätigte die Informationen auf Anfrage. DHL habe dem Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass die Post-Tochter kein Angebot für die Bundeswehrlogistik abgeben werde. Damit bleiben nur noch zwei Bewerber um den Zehnjahresvertrag: Ein Gemeinschaftsunternehmen aus dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS und dem Logistikunternehmen Hellmann sowie die Bahn-Tochter Schenker in Kooperation mit dem Rüstungsspezialunternehmen ESG. Dem Zeitplan zufolge soll im Frühjahr feststehen, wer künftig 16 Materiallager mit rund 2000 zivilen Bundeswehr-Angestellten betreibt. Die Privatisierung der Bundeswehrlogistik soll nun zum 1.Juli 2010 erfolgen. Experten taxieren den Auftragswert auf rund 1 Mrd. Euro. Weil das Projekt den Bundestag passieren muss und standortpolitisch umstritten ist, könnte es aber noch scheitern oder sich erneut verzögern. Die Deutsche Post DHL ist jedoch weiterhin Logistiker der Bundeswehr weltweit für die Feldpost und für militärische Ausrüstung unter 50kg.

Die Bundeswehr sucht seit Jahren, mithilfe ihrer eigenen Firma Gebb nach Privatisierungsmöglichkeiten. Damit sollen die Kosten gesenkt und die Strukturen in der Truppenverwaltung modernisiert werden. Zu den bedeutendsten Projekten gehörte bisher die Privatisierung der Wartung und Instandsetzung von Heeresfahrzeugen wie Panzern. Ein 2005 geschlossener Vertrag mit der Gesellschaft HIL bis 2013 hat ein Volumen von gut 1,7 Mrd. Euro. Die HIL-Gesellschafter (Diehl/Krauss-Maffei Wegmann, Rheinmetall) verpflichteten sich, dass mindestens 70 Prozent der Heeresfahrzeuge einsatzbereit sind. Bereits seit 2000 gibt es eine Fuhrparkkooperation zwischen Bahn und BW.

Presseberichte:
Indymedia
Financial Times Deutschland (FTD) 22.11.2009
FTD: Bericht zur Bewerbung von EADS
Südeutsche Zeitung 23.11.2009
Bonner Generalanzeiger zur DHL-Kampagne

DHL-Kampagne geht weiter

Die Kampagne gegen den Kriegslogistiker Deutsche Post / DHL geht weiter. Sie wurde unter anderem als Mobilisierung gegen den NATO-Gipfel 2009 initiiert. Diese Webseite hat die Kampagne und Reaktionen darauf bis Ende März 2009 dokumentiert. Weitere Informationen zur Kampagne und zu antimilitaristischen Aktionen finden sich bei Bundeswehr wegtreten und bei der Interventionistischen Linken. Auch Indymedia Deutschland und Indymedia Linksunten berichten über die Aktivitäten gegen die Deutsche Post und DHL.

Chronik der Kampagne von Ende März 2009 bis November 2009
22. November 2009 | Teilerfolg der DHL-Kampagne: DHL bewirbt sich nicht weiter um Bundeswehr-Logistik-Auftrag
http://de.indymedia.org/2009/11/267267.shtml
http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:angebot-fuer-armeelogistik-post-verschmaeht-bundeswehr-auftrag/50040979.html

8. November 2009 Berlin | Postbank demoliert
http://de.indymedia.org/2009/11/265173.shtml

27. Oktober 2009 Berlin | Müllcontainer und Postfahrzeuge geraten in Brand
http://de.indymedia.org/2009/10/264326.shtml
http://directactionde.blogspot.com/2009/10/post-und-luxusautos-brennen.html

18. Oktober 2009 Erfurt | Totalschaden für Posttranspoter
http://directactionde.blogspot.com/2009/10/postautos-in-flammen.html

17. Oktober 2009 Erfurt | Aktion gegen DHL – Paketstationen
http://de.indymedia.org/2009/10/263568.shtml
http://directactionde.blogspot.com/2009/10/anschlag-auf-dhl-packstationen.html

16. Oktober 2009 Bremen | Einrichtungen von Post und DHL olivgrün
http://directactionde.blogspot.com/2009/10/einrichtungen-der-post-und-dhl-in.html

13. Oktober 2009 Berlin | Post für die Post – Acht Filialen verschlossen
http://linksunten.indymedia.org/de/node/12513
http://directactionde.blogspot.com/2009/10/post-fur-die-post.html

19. September 2009 Göttingen | antimilitaristische Radtour mit Besuch der Hauptpost
http://de.indymedia.org/2009/09/261369.shtml

17. September 2009 Stuttgart | Aufruf gegen DHL zum bundesweiten Krisenaktionstag
http://de.indymedia.org/2009/08/259362.shtml (siehe pdf-Datei)
http://linksunten.indymedia.org/de/node/10128
http://linksunten.indymedia.org/de/node/11044

11. September 2009 Plön (Schleswig-Holstein) | Kundgebung gegen Kriegslogistiker DHL
http://de.indymedia.org/2009/09/260792.shtml

10. September 2009 Plön (Schleswig-Holstein) | Glasbruch bei und Farbe auf DHL
http://de.indymedia.org/2009/09/260441.shtml

4. und 17. September 2009 Darmstadt| Farbe gegen Postfilialen
http://de.indymedia.org/2009/09/261147.shtml

8. August 2009 | Neues Material zur Kampagne gegen Deutsche Post/DHL
http://de.indymedia.org/2009/08/257749.shtml
http://linksunten.indymedia.org/de/node/9500

4. August 2009 | Interview: Militärlogistiker Deutsche Post
http://de.indymedia.org/2009/08/257520.shtml
http://linksunten.indymedia.org/de/node/9385

19. Juli 2009 Lüneburg | Ein Dutzend Post-Fahrzeuge ausgebrannt
http://de.indymedia.org/2009/07/256737.shtml
http://de.indymedia.org/2009/07/256579.shtml
http://linksunten.indymedia.org/de/node/9031
http://directactionde.blogspot.com/2009/07/zwolf-postfahrzeuge-in-flammen.html
http://www.landeszeitung.de/lokales/lueneburg/news/artikel/staatsschutz-ermittelt-nach-feuer
Post und DHL in Lüneburg abgerüstet im Juli 2009

Deutsche Heeres Logistik (DHL) in Lüneburg angezündet im Juli 2009

12 Fahrzeuge der Post au�er Betrieb

9. Juli 2009 München | Zwei DHL-Packstationen umlackiert
http://linksunten.indymedia.org/de/node/9224
http://de.indymedia.org/2009/07/257021.shtml
http://directactionde.blogspot.com/2009/07/dhl-packstationen-mit-farbe-eingedeckt.html

2. Juli 2009 Hamburg | 3 mal Deutsche Post DHL
http://www.bundeswehr-wegtreten.org
http://directactionde.blogspot.com/2009/07/9-autos-abgefackelt.html
Fahrzeug der Post in Hamburg zerstört 2. Juli 2009

16. Juni 2009 Berlin | DHL kommt nicht zur Ruhe
http://directactionde.blogspot.com/2009/06/brandanschlag-auf-dhl-fahrzeuge.html
DHL-Fahrzeuge in Berlin sabotiert im Juni 2009

11. Juni 2009 Berlin | „Leicht entflammbar“ – 7 DHL Transporter ausgebrannt
http://www.jungewelt.de/2009/06-12/042.php
http://directactionde.blogspot.com/2009/06/brandanschlag-auf-7-dhl-transporter.html
http://www.flickr.com/photos/kietzmann/sets/72157619503512531/
DHL in Berlin angegriffen im Juni 2009

27. April 2009 Berlin | Umfärbung einer DHL-Paketstation
http://directactionde.blogspot.com/2009/04/umfarbung-der-dhl-paketstation.html

26. April 2009 Scheeßel (Bremen) | „Angrillen“ bei DHL
http://directactionde.blogspot.com/2009/04/4-transporter-abgewrackelt.html

12. April 2009 Köln | Protestfahrt gegen das Militärgeschäft der DHL
http://de.indymedia.org/2009/05/251663.shtml

3.April 2009 Leipzig | „Sicherheitsüberprüfung“ wegen militärischem Flughafenausbau
http://de.indymedia.org/2009/04/247981.shtml

3. April 2009 Mannheim | Hauptpost mit gelb-roter Farbe getränkt
http://linksunten.indymedia.org/de/node/2856
http://directactionde.blogspot.com/2009/04/farbanschlag-auf-dhl-in-mannheim.html

30. März 2009 Freiburg | Antimilitaristische Demo mit Redebeitrag zu DHL
http://linksunten.indymedia.org/de/node/2236

„Wir wollen die Rolle der Deutschen Post als Militärlogistiker skandalisieren“

Fragen an die Kampagne gegen Deutsche Post/DHL

In Zeitungsnotizen ist das ein oder andere Mal von Brandanschlägen auf Fahrzeuge der Deutschen Post zu lesen. Die zitierte Polizei vermutet Linksextremisten als Täter. In einschlägigen Online-Postillen dieser Spezies können wir dann erfahren, dass diese Anschläge offensichtlich nicht zufällig geschehen, sondern Teil einer Kampagne sind, mit denen die Verwicklung des Logistikkonzerns in die deutsche Kriegswirtschaft angeprangert wird. Diese Kampagne entstand im Rahmen der Mobilisierung gegen den NATO-Gipfel 2009 in Strasbourg/Baden-Baden und sie umfasst durchaus auch andere Aktivitäten als nur Brandanschläge. Um mehr darüber zu erfahren, fragten wir einen Aktivisten der Kampagne.

Frage: Seit Herbst 2008 gibt es eine Kampagne gegen den Logistikkonzern „Deutsche Post DHL“. Zahlreiche Aktivitäten wurden bisher von Friedens- und antimilitaristischen Gruppen durchgeführt. Warum?

Antwort: DHL und Deutsche Post AG sind seit 2003 für das US-Militär im Irak und auch für die Bundeswehr in Afghanistan unterwegs. Sie transportieren Material, das für die imperialistische Kriegsführung notwendig ist, von Feldpost bis zu mörderischen Rüstungsgütern. Darüber hinaus bewirbt sich DHL um einen Milliardenauftrag der Bundeswehr, die große Teile ihrer Basislogistik an ein ziviles Unternehmen abtreten wird.

Die Kampagne soll diese Rolle des multinationalen Konzerns als Kriegslogistiker skandalisieren. Gleichzeitig wird die zunehmende Militarisierung des Zivilen thematisiert und kritisiert. Die Kampagne hat als einen Ausgangspunkt die Erkenntnis, dass militärisch durchgesetzte weltweite Interessen keine Außenpolitik sind. Krieg hinterlässt nicht nur Spuren in der Gesellschaft, von der er ausgeht, sondern setzt auch die Zurichtung der so genannten zivilen Gesellschaft auf die militärischen Erfordernisse voraus. Die zivil-militärische Zusammenarbeit und Verquickung folgt dabei nicht nur ökonomischen Interessen, z.B. eben von der Deutschen Post mit der Militärlogistik große Gewinne einzufahren. Sie ist auch strategisch bestimmt.

Wie läuft die Kampagne?

Es gibt inzwischen zahlreiche Materialien: Informationspapiere, Faltblätter, Zeitungen, Aufkleber, Plakate. Sie wurden unter anderem während zweier bundesweiter Aktionstage in und vor Postfilialen verteilt und plakatiert. Einige davon sind ja auf der Homepage http://dhl.blogsport.de dokumentiert. Ziel der Kampagne ist der vollständige Ausstieg der Logistikunternehmen aus dem Geschäft mit dem Krieg.

Die Kampagne war ein Teil der Mobilisierung gegen den NATO-Gipfel in Strasbourg. In der öffentlichen Berichterstattung über sämtliche Aktivitäten gegen DHL – von Kundgebungen vor Postfilialen bis zu klandestinen Aktionen der Kommunikationsguerilla und autonomer Gruppen – wurde immer auch der Grund für die Kampagne erwähnt. So gelingt es mehr und mehr, die Reputation, also den guten Ruf des Großkonzerns in den Dreck zu ziehen. Die Kampagne gegen Post und DHL ist aber noch lange nicht ausgereizt. Von der Ideenvielfalt anderer Initiativen, wie die deportation.class-Kampagne gegen Lufthansa, kann man sich noch viele Anregung stibitzen.

Wie die deportation.class-Kampagne geht es natürlich zu allererst darum, das Image der Post zu beschädigen mit dem Ziel, dem Konzern den Ausstieg aus dem Militärgeschäft nahezulegen. Da aber allen durchaus bewusst ist, dass diese Einbindung in die militärische Infrastruktur strategische Bedeutung hat, entfalten sich in der Kampagne natürlich auch offensivere Formen des Protestes.

Das klingt so, als ob die Mobilisierung gegen den NATO-Gipfel nur eine erste Etappe der Kampagne war.

Natürlich. In Strasbourg hat sich die NATO nicht aufgelöst, im Gegenteil. Sie verstärkt ihre Truppen in Afghanistan. Kriege werden sich verschärfen und damit auch der Transport von Rüstungsgütern in alle Welt. Das Kriegslogistik-Geschäft wird expandieren und ist damit sehr lukrativ für Konzerne. Und wenn sich Unternehmen – egal wie sie heißen – unmittelbar an Kriegen beteiligen, bietet das Anknüpfungs- und Angriffspunkte für den politischen Widerstand. Jetzt und in Zukunft.

In den Diskussionen, aus denen die Kampagne entwickelt wurde, war ein zentraler Punkt auch die Auseinandersetzung mit dem Eventcharakter solcher Mobilisierungen wie gegen den NATO-Gipfel. Die Initiative gegen DHL sollte eine Möglichkeit der antimilitaristischen Intervention aufzeigen, die über den Gipfel hinaus weist. Die militaristische Strukturierung und Ausrichtung geht in den Alltag, ist Normalität und muss auch dort immer wieder sichtbar gemacht und angegriffen werden.

Dazu kann es hilfreich sein lokale bzw. regionale antimilitaristische Aktionskomitees zu schaffen, wozu einige Gruppen aus der Interventionistischen Linken aufriefen. Denn eine weitere Absicht ist natürlich auch, die Notwendigkeit antimilitaristischer Praxis in der radikalen Linken präsent zu machen. Aus unserer Sicht ist es kein beliebiges Thema, sondern berührt einen Kernbereich emanzipatorischer Politik.

Die Monate bis zum NATO-Gipfel im April kennzeichnen eine Phase, aber die erste Etappe dieser Kampagne ist natürlich noch nicht durch: die Kampagne in der allgemeinen Linken bekannt zu machen und dass sie breit aufgegriffen wird. Aus unserer Sicht muss sich noch mehr Kontinuität in der Vielfalt des Protestes und Widerstands entwickeln. Natürlich auch in der Verschränkung mit anderen Initiativen wie „Bundeswehr wegtreten“, gegen den „Celler Trialog“ und „Bundeswehr raus aus Afghanistan“.

Nach unserem Eindruck haben linke AktivistInnen im vergangenen Jahr stärker als in den Jahren zuvor eine antimilitaristische Praxis entfaltet. Deckt sich das mit deiner Einschätzung?

Das sehe ich auch so und ich denke, dass über Friedens- und Antikriegsgruppen hinaus die Ignoranz gegenüber dieser zentralen Frage bröckelt. Das ist gut so. Antikapitalistische, gar revolutionäre Politik kann nicht ernsthaft diesen Aspekt von Herrschaftspolitik außen vor lassen. Das betrifft auch die Fragen von Folter oder Lagerhaft, denen sich natürlich die Linke praktisch stellen muss, weil diese Politik die Gesellschaft autoritär strukturiert.

Nach einem Brandanschlag auf ein DHL-Fahrzeug hieß es plötzlich, Linke würden private Kuriere angreifen und in ihrer Existenz schädigen, weil es um ein privates Fahrzeug im DHL-Design handelte. War das der Kampagne abträglich?

Ob es abträglich war, kann ich nicht beurteilen. Sicher, es hat Irritationen ausgelöst, insofern plötzlich nicht von einem Konzern als Opfer die Rede war. Denn DHL hat Teile seiner Paketauslieferung privatisiert und zum Teil bisherige PaketzustellerInnen in die Subunternehmerschaft gezwungen. Einige der im Straßenbild sichtbaren gelben Fahrzeuge gehören offenbar nicht dem Konzern, sondern Privatpersonen.

In Österreich – und in Deutschland sind die Zahlen vermutlich ähnlich – werden bei DHL etwa die Hälfte aller Fahrten an Subunternehmen ausgelagert. Die Tendenz ist steigend. DHL-Subunternehmen sind Kleinunternehmen mit bis zu drei Fahrzeugen, häufig nur eins.

Das ganze ist so eine Art Franchising, das wir von McDonalds oder den ganzen Bäckereiketten kennen, bei denen die Beschäftigten teils 4 Euro Stundenlohn erhalten. Die Subunternehmer transportieren im Namen von DHL, aber auf eigene Rechnung. Der Konzern spart damit eine Menge Kosten ein, kann Probleme bei der Zustellung auf den Subunternehmer abwälzen und muss sich weniger mit organisierten GewerkschafterInnen rumschlagen. Der Konzern DHL ist und bleibt deswegen ein richtiges Angriffsziel. Die kleinen Subunternehmen wiederum haben keinen Betriebsrat und können viel besser die Löhne ihrer zwei bis drei Fahrer drücken. Lohnarbeit und Ausbeutung gibt es dort also mindestens genauso.

Die Einkommen der Ein-Personen-Subunternehmer sind kaum höher als der Hartz-IV-Satz. Ist so einer nicht eher Opfer seiner eigenen politisch blinden Arbeitsethik, als Opfer eines Brandanschlags?

Man muss sich diesen Hintergrund bewusst machen und entsprechend bewusst handeln. Auf ihren Fahrzeugen ist vermerkt, falls sie „Im Auftrag der Deutschen Post/DHL“ unterwegs sind. Die in den letzten Monaten angezündeten Fahrzeuge auf den DHL-Fuhrparks in Hamburg, Karlsruhe und Berlin haben mit Sicherheit keinen Subunternehmer getroffen.

Ich finde es richtig diesen Zusammenhang von militärischem Engagement der Post und der Privatisierung herzustellen. Denn die Methoden, wie sich dieser Konzern fit macht, um weltgrößtes Logistikunternehmen zu werden, qualifizieren ihn zum Transportunternehmen der Bundeswehr. So fand ich es auch ausgesprochen gut, dass in einer „Kundeninformation“ zum Auslegen in und Verteilen vor Postfilialen der Zusammenhang mit der zunehmenden Schließung von Postfilialen und den Arbeitsbedingungen bei der Post hergestellt wurde.

Die Kampagne jedenfalls geht weiter mit vielfältigen und schönen Aktionen.

Junge Welt: DHL profitiert vom Krieg

Kriegsgegner mobilisieren gegen Tochter der Post AG. Aktionstag am 14. März

In Berlin brannten in den vergangenen Monaten mehrfach Fahrzeuge ab. Darunter befanden sich mindestens drei Transporter der hundertprozentigen Post-Tochterfirma DHL. Hintergrund könnte eine antimilitaristische Kampagne gegen den Dienstleister sein. DHL bewirbt sich gerade um einen Milliardenauftrag des Verteidigungsministeriums. Konkret geht es um die Lagerung von Bundeswehrmaterial und den Transport von Kriegsgerät der Bundeswehr, Soldaten, Munition und Treibstoffen.

DHL steht für die Anfangsbuchstaben der Nachnamen der drei Firmengründer, Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn. Kriegsgegner übersetzen das Kürzel mit »Deutsche Heeres Logistik«. Die Idee, Protest gegen den Postdienstleister und Kriegslogistiker zu organisieren, entstand auf dem »langen Tag des Antimilitarismus« linker Gruppen Ende 2008 in Berlin. Die Kampagne soll bis zur Aktionärsversammlung der Post im kommenden Jahr laufen und von einem breiten Spektrum getragen werden.

Mit dabei ist das Netzwerk »Interventionistische Linke«, das einen antimilitaristischen Aktionstag für den 14. März vorgeschlagen hat. Geeignet seien Besuche bei der Post, die schließlich »in allen Städten Filialen und Einrichtungen« habe. Mit dem Protest solle der »Schulterschluß von Wirtschaft und Militär thematisiert und angegriffen werden«.

Erste Aktionen fanden bereits statt. In Wuppertal zum Beispiel wurden die gelben Briefkästen im ganzen Stadtgebiet olivgrün und DHL-Packstationen rot angestrichen. An mehreren Stellen wurde die Parole »Kriegslogistiker DHL stoppen!« angebracht. In Düsseldorf verteilten Kriegsgegner bei einem antimilitaristischen Stadtrundgang Flugblätter vor einer DHL-Filiale, und in Berlin-Kreuzberg wurde der Eingangsbereichs einer Postfiliale besprüht. Auch in München gab es verschiedene Aktionen.

DHL hat bereits 2002 einen Rahmenvertrag mit der Bundeswehr abgeschlossen, in dem das Unternehmen den Transport von eiligen militärischen Dokumenten, militärischer Ausrüstung und Verbrauchsgüter bis 50 Kilogramm übernommen hat. Unmittelbar nachdem im Mai 2003 das UN-Wirtschaftsembargo gegen den Irak aufgehoben wurde öffnete der Dienstleister Niederlassungen in dem Kriegsgebiet. Hauptkunde im Irak ist das US-Militär. Die Posttochter verfügt über einen eigenen Konzernrepräsentanten für den Bereich »Military Affairs Bundeswehr/NATO«. Udo Eschenbach, der das Amt bekleidet, schrieb in einem Beitrag für das Magazin Griephan Global Security: »Die Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und der Deutschen Post World Net beschränkt sich nicht auf die Feldpost. Das Unternehmen übernimmt auch einen beträchtlichen Teil der Militärlogistik«.

Kriegsgegner haben sich zum Ziel gesetzt diese »wachsenden Verzahnungen ziviler und militärischer Bereiche in das Bewußtsein der Öffentlichkeit« zu tragen. DHL sei hierfür ein gutes Beispiel, das den aktuellen NATO-Kurs, zivile Strukturen für militärische Zwecke nutzbar zu machen, verdeutliche. Die NATO nennt das einen »umfassenden Ansatz«. Die Antwort von Antimilitaristen lautet: »umfassender Widerstand«.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2009/03-05/027.php

Jugendzeitung zur Deutschen Heeres Logistik

Der deutsche Logistikkonzern DHL – ein vollständiges Tochterunternehmen der Deutschen Post – ist weltweiter Marktführer für internationalen Expressversand, Überlandtransport sowie die internationale Luft- und Seefrachtbeförderung. Ein Service, den nun auch die Bundeswehr wahrnehmen möchte. Aber Widerstand regt sich.

„In der Nacht zum 19.1.09 entzündete sich unsere Wut über die bestehenden Verhältnisse an einem Transporter der Deutschen Heeres Logistik (DHL)“, heißt es in einem Bekennerschreiben zum Brand eines Transporters des Konzerns DHL im Berliner Stadtteil Neukölln. „In der Nacht vom 27. auf den 28. Januar haben wir im ganzen Wuppertaler Stadtgebiet Briefkästen olivgrün gefärbt“, ist im Bekennerschreiben einer weiteren Aktion gegen das militärische Engagement des Logistikunternehmens zu lesen. Für den 7. Februar und den 14. März 2009 wird bundesweit zu dezentralen Aktionen gegen den Kriegsdienstleister DHL – dessen Kürzel sich eigentlich aus dem jeweiligen Anfangsbuchstaben des Nachnamen der drei Unternehmensgründer (Dalsey, Hillblom, Lynn) zusammensetzt – aufgerufen.

DHL Bundeswehr Findus
Werden Bundeswehr-Kampfjets bald von DHL gelieferte Bomben werfen?

Bereits 2005 hatte die Bundeswehr angekündigt, Teile ihrer Militärlogistik an private Firmen auszulagern. Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung schrieb den zu vergebenden Auftrag – der laut Insider-Kreisen ein Volumen von vier bis fünf Milliarden Euro hat – jedoch erst im Juli 2008 aus. Die Bewerbungsfrist endete im vergangenen September. Zu den Bewerberinnen gehören neben der Post-Tochter DHL auch die Bahn-Speditionstochter Schenker, die Dienstleistungsfirma Arvato aus der Bertelsmann-Gruppe und ein Konsortium aus der Bremer Hellmann Logistics, dem Rüstungskonzern EADS sowie der Beraterfirma Accenture. Obwohl die Entscheidung des Bundesamtes noch bevorsteht, gilt DHL als unangefochtener Favorit, die neue Militärlogistikerin der Bundeswehr zu werden.

Die Deutsche Post und ihr Tochterunternehmen DHL haben bereits umfassende Erfahrung mit der Logistik des Militärs: Seit 2002 übernimmt die Deutsche Post den nationalen und internationalen Versand von eiligen militärischen Dokumenten, sowie militärischer Ausrüstungs- und Verbrauchsgüter bis 50 kg. Nach Aufhebung der UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak im Mai 2003 war wiederum DHL das erste Unternehmen, das in dem Land Logistikdienstleistungen anbot. Das US-Militär ist Hauptkunde der DHL im Irak. Somit hat das deutsche Unternehmen massiv vom dortigen völkerrechtswidrigen Krieg profitiert. Diese Strategie soll nun ausgeweitet werden – ob die antimilitaristische DHL-Kampagne den Konzern stoppen kann, bleibt abzuwarten. Wer aber ein Päckchen mit DHL versenden will, sollte sich darüber bewusst sein, damit einem Konzern sein Geld zu geben, der wissentlich von gewalttätigen Konflikten profitiert.

Quelle: http://www.jugendzeitung.net/onlinemag/dhl-deutsche-heeres-logistik/