Berlin: Olivgrün statt gelb – keine Geschmacksfrage

Anfang dieser Woche, um den 17. März 2009, waren im Stadtbild von Berlin gelbe Briefkästen zu oliv-grünen mutiert. In verschiedenen Berliner Stadtteilen wurde das neue Design der Deutschen Post bereits gesichtet. Mit einer Kundeninformation unterrichtet die DHL von ihren Zukunftsplänen als „Deutsche Heeres Logistik“.

Postkasten Berlin 1

Nachfolgender Text stammt von Indymedia.

Was steckt dahinter?
In diesem Frühjahr entscheidet das Bundesamt für Wehrtechnik über die bisher größte Privatisierung der Bundeswehr. Es geht um einen lukrativen Auftrag, der an ein ziviles Unternehmen gehen soll. Die DHL will diesen Auftrag und will damit als ziviler Dienstleister direkt von den Kriegseinsätzen der Bundeswehr profitieren.

Darüber sollte die Öffentlichkeit informiert sein, finden Kriegsgegner und tauften die Briefkästen um in oliv-grüne Feldpostkästen. Denn diese Privatisierung ist ein weiterer Schritt zur wachsenden Verschränkung militärischer und ziviler Interessen und zur Durchdringung des Alltags durch militaristische Logiken. Eine Entwicklung, die bei der NATO „comprehensive approach“ (umfassender Ansatz) heißt und bedeutet, sich zivile Strukturen für militärische Zwecke anzueignen.

Warum DHL?
Das weltweit agierende Unternehmen (das zu 100% zur Deutschen Post World Net gehört) ist kurz davor, den attraktiven Auftrag an Land zu ziehen. Es ist der bislang größte Auftrag der deutschen Transportbranche und es ist das umfangreichste Privatisierungsprojekt der Bundeswehr. Da die Bundeswehr in Afghanistan Krieg führt, braucht sie logistische Unterstützung, die jetzt ein ziviles Unternehmen übernehmen soll. Beworben haben sich neben der DHL noch die Deutsche Bahn mit ihrem Transportunternehmen Schenker, die Dienstleistungsfirma Arvato (Bertelsmann) sowie ein mittelständisches Konsortium (Hellmann Logistics Bremen, EADS, Accenture). Konkret soll eine der Firmen Bundeswehrmaterial lagern und Kriegsgerät, Soldaten, Munition und Treibstoff transportieren. Im Klartext: Die Bundeswehr sucht ein ziviles Unternehmen, das so zum aktiven Kriegsunterstützer wird. Das möchte die DHL gerne. Und sie hat eindeutig die besten Chancen, den Auftrag zu bekommen.

Denn bereits seit 2002 arbeitet die DHL mit der Bundeswehr zusammen. Sie transportiert national und international militärische Dokumente – auch Feldpost – sowie militärische Ausrüstung bis 50 kg. Auch im Irak war die DHL bereits aktiv. Der Konzern beschreibt seine Aufgabe immer gerne damit, einige Briefe für US-Soldaten transportiert zu haben. Tatsächlich werden neben der Feldpost auch andere Güter transportiert, die von der US-Armee und von unter Vertrag stehenden Unternehmen gebraucht werden. Hier sind ihre Fahrzeuge zwar nicht gelb, sondern unauffällig und unmarkiert wegen der schwierigen Sicherheitslage, das ändert aber nichts daran, dass das Unternehmen vom Krieg im Irak profitiert.

Zuletzt hat die Deutsche Post auch noch eine Werbekampagne für sich und die Bundeswehr gestartet – was die Chancen des Unternehmens, den lukrativen Auftrag zu bekommen, sicher nicht verschlechtert hat: Die großformatigen Postplakate zeigen einen Afghanistan-Kämpfer des deutschen Expeditionskorps, der sich mit Hilfe der Feldpost seiner Heimat näher fühlen kann. Post von zu Hause – wie schön. Damit will die Deutsche Post nach eigenen Angaben „die Akzeptanz der Bundeswehr in der Öffentlichkeit“ verbessern und „den Soldatenberuf in der Gesellschaft präsent machen.“

Postbriefkasten Berlin 2

Antimilitaristische Kampagne – u.a. gegen DHL
Militaristische Normalisierung und Kriegsgewinnlerei, Gewöhnung an Soldaten und zivile Unterstützung für den Krieg: Das alles stört einige, wenn nicht sogar viele (vgl. die Kampagnen-Homepage der Interventionistischen Linken oder die diversen Aktionen, über die bei http://dhl.blogsport.de berichtet wird). Kriegsgewinnlerei kommt bei denen, die nicht gerade als Aktieneigentümer profitieren, in der Regel schlecht an. In diesem und in jedem anderen Kriegseinsatz, an dem die Bundeswehr sich beteiligt oder beteiligen wird. Die zivil-militärische Zusammenarbeit wird immer enger, die Militarisierung des Alltags schreitet voran – deshalb gibt es diese die Idee einer antimilitaristischen Kampagne. In diesem Land wurde lange diskutiert, ob sich die Bundeswehr gerade im Krieg befindet oder in was auch immer. Langsam scheint dieser Gedanke in der Gesellschaft angekommen, auch wenn PolitikerInnen den Krieg in Afghanistan – im Gegenteil zu Militärs – als „humantitäre Intervention“ verkaufen wollen. Ein Großteil der Gesellschaft ist gegen den Kriegseinsatz in Afghanistan und war entschieden gegen den Krieg im Irak. Jetzt will die Post vom Krieg profitieren. Diese Kampagne bringt zum Ausdruck: „Wir wollen das nicht!“ Deshalb informiert sie durch aktive Intervention in den Alltag und will erreichen, dass ein breiter Widerstand in der Gesellschaft diese Pläne unmöglich macht und sich die DHL von diesem Auftrag, von Kriegsdienstleistung und Kriegsgewinnlerei zurückzieht.


1 Antwort auf “Berlin: Olivgrün statt gelb – keine Geschmacksfrage”


  1. 1 Anonymous 20. März 2009 um 17:22 Uhr

    DHL und Bertelsmann

    Die Deutsche Post kooperiert übrigens eng mit Mitbewerber Bertelsmann. Z. B. betreiben sie ein lukratives Gemeinschaftsunternehmen, die Deutsche Post Adress GmbH http://www.bigbrotherawards.de/2002/.cop.

    Zur Kooperation von Bertelsmann mit DHL/Deutsche Post schreiben die Autoren Frank Böckelmann und Hersch Fischler weiter in dem Buch „Bertelsmann – Hinter der Fassade des Medienimperiums“, S. 287 f., Frankfurt a. M. 2004:

    Zitat Anfang:

    In der Gütersloher Zentrale legt man größten Wert auf die Pflege des guten Verhältnisses zur Deutschen Post. Man will mit ihr gemeinsam das – neben dem Fernsehen – zweite große Standbein des Hauses Bertelsmann konsolidieren. Denn das halbstaatliche Monopolunternehmen ist auf dem besten Weg, sich zum stärksten Logistik-Dienstleister der Welt zu entwickeln. Schon in den Neunzigern übernahm die Deutsche Post in den Vereinigten Staaten die Versand- und Kurierdienst-Experten Airborne und DHL sowie die schweizer Logistikfirma Danzas. […] DHL betreut weltweit große Versandhändler und Softwarehersteller. Seinen Auftraggebern nimmt der Anbieter komplexer „Outsourcing-Lösungen“ nicht nur den Transport und die fristgemäße Zustellung fragiler Produkte ab. Er verwaltet auch den Auftragseingang, beschafft, überprüft und lagert die georderten Produkte nebst der Zusatzausrüstung, verschickt die Rechnungen, überwacht den Zahlungsverkehr und handhabt den Kundenservice einschließlich der Rücksendung schadhafter Ware. Bertelsmann arvato will dem Logistik-Riesen dabei nach Kräften zuliefern und assistieren.
    Dafür, dass die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bertelsmann und der Deutschen Post keinen konjunkturellen Erschütterungen ausgesetzt ist, wurde vorgesorgt. Gert Schukies, langjähriger Pressesprecher der Bertelsmann AG und zuständig für die „Gesamtkommunikation“ des Konzerns, verließ 1990 Gütersloh. Sein Nachfolger wurde der PR-Manager Manfred Harnischfeger. Schukies wandte sich einer anderen, nicht weniger anspruchsvollen Tätigkeit zu. Er gelangte ohne Zwischenaufenthalt zur Deutschen Post AG und diente ihr – sowie später dem Deutsche Post Worl Net – als Direktor der „Konzernkommunikation“. Im Mai 2003 zog er sich nach Vollendung seines sechzigsten Lebensjahres aus der Konzerntätigkeit zurück und wurde Unternehmensberater. Die frei gewordene Stellung wurde unverzüglich von einem Insider übernommen: von Manfred Harnischfeger. Dieser gab am 30. Juni 2002 sein Sprecheramt bei Bertelsmann auf. Mutmaßungen, ob er auch bei der Deutschen Post weiterhin als Bertels“mann“ agiert, erübrigen sich. Eben als solcher wurde er wie sein Vorgänger von der Post bevorzugt.
    Kein Zweifel, die Deutsche Post lässt sich die Zuneigung des Hauses Bertelsmann gefallen. Deren langjähriger Vorstandsvorsitzender Klaus Zumwinkel wurde vor wenigen Jahren in das Kuratorium der Bertelsmann Stiftung gewählt. Gemeinsam mit Liz Mohn und Heribert Meffert sorgt er nun dafür, dass die Stiftung nach außen hin Abstand vom Geschäft der Aktiengesellschaft hält.

    - Zitat Ende.

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