Postsoldaten voll auf dem Posten

Die Deutsche Post profitiert in zunehmendem Maße von den Kriegseinsätzen der Bundeswehr im Ausland. Allein der Umfang der Feldpost nähert sich dem Postaufkommen einer Großstadt. Die Konzernmitarbeiter, die als „Postsoldaten” von der Feldpost-Leitzentrale Darmstadt gesteuert werden, sind sämtlich Bundeswehr-Reservisten. Hinzu kommt, dass die DHL, Tochter der DP und weltweit führender Logistikkonzern, umfangreiche Aufträge in der Militärlogistik akquirieren will.

Die Deutsche Post klebt bereits seit einigen Monaten großformatige Post-Plakate mit dem Abbild eines uniformierten Afghanistan-Kämpfers des deutschen Expeditionskorps. Die Kampagne soll „den Soldatenberuf in der Gesellschaft präsent machen”, wie es bei der DP heißt. Das Unternehmen beschäftigt einen „Konzernrepräsentanten Military Affairs Bundeswehr/NATO”.

Demnächst wird entschieden, wer den mit Abstand größten Logistikauftrag der Bundeswehr erhält – für die „Lagerung und Bewirtschaftung von Material” und für „Transportleistungen für Material, Sanitätsmaterial, Munition, Betriebsstoffe und begleitendes Personal”. Dabei geht es insbesondere auch um Munitionsmaterial sowohl innerhalb Deutschlands als auch in die Manöver- und Kriegsgebiete in aller Welt. Es wird mit einem Milliardenvolumen gerechnet, der Deutschen Post wird eine gute Chance bei der Akquise zugeschrieben. Schließlich ist die Firma schon jetzt in erheblichem Maß für die Bundeswehr und für die US-Armee tätig.

Quelle: Aktionszeitung „Proteste gegen die NATO-Sicherheitskonferenz am 6. und 7. Februar 2009 in München“

Nachfolgender Beitrag ist „Make Nato History. Zeitung für eine Interventionistische Linke“ entnommen.

DHL transportiert nicht nur Briefe und Pakete, sondern transportiert auch Kriegsgüter für verschiedene Armeen. Im September 2008 bewarb sich die hundertprozentige Post-Tochter DHL als Logistikdienstleister der Bundeswehr. Es ist der bislang größte Auftrag der deutschen Transportbranche und es ist das umfangreichste Privatisierungs- und Umstrukturierungsprojekt der Bundeswehr. Die Ausschreibung für den Bereich »Lagerhaltung und Distribution« ist ein Milliardenauftrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Die Bundeswehr will große Teile ihrer Basislogistik im Rahmen einer Public-Private-Partnership an ein ziviles Unternehmen abtreten. Konkret geht es um die Lagerung und Bewirtschaftung von Bundeswehrmaterial (ohne Sanitätsmaterial, Munition und Treibstoffe) und den weltweiten Transport von Kriegsgerät, SoldatInnen, Munition, Treibstoffen an die verschiedenen Kriegsschauplätze. Somit sucht die Bundeswehr einen Logistikpartner, der die schnelle Einsatzfähigkeit der Truppen sicherstellen und dadurch zum aktiven Kriegsmittreiber werden soll.

Im Frühjahr 2009 soll die Entscheidung des Verteidigungsministeriums bekannt gegeben werden. Die größten Chancen werden dabei DHL eingeräumt. Die Deutsche Post transportierte schon 2002 Rüstungsgüter bis 50 Kilogramm und militärische Dokumente der Bundeswehr. 2003 stieg DHL als Logistikpartner des US-Militärs im Irak und in Afghanistan ein. Gleichzeitig wird der militärische Ausbau des Flughafens Leipzig betrieben. Der ist eng mit der DHL verknüpft, die über die DHL Hub Leipzig GmbH seit Anfang 2008 am Flughafen Leipzig/Halle eins ihrer weltweit drei Luftfahrt-Drehkreuze betreibt.

DHL hat unmittelbar nach Aufhebung der UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak im Mai 2003 dort als erstes Unternehmen Logistikdienstleistungen angeboten. Hauptkunde im Irak ist das US-Militär, wodurch DHL vom reinen Profiteur des Irakkrieges zum unmittelbaren Kriegs- und Besatzungshelfer avancierte. Die Deutsche Post AG als Konzernmutter der DHL ist um Diskretion bemüht und versucht die Fracht gegenüber der Öffentlichkeit auf Post für US-SoldatInnen herunterzureden. Gleichzeitig transportiert sie die Feldpost für die Bundeswehr weltweit.

So entpuppt sich die Deutsche Post-Tochter DHL als »Deutsche Heeres Logistik« und bietet sich für eine aktionsbezogene Mobilisierung im Vorfeld der NATO-Feierlichkeiten bestens an. Die Interventionistische Linke ruft für den 8. Februar und 14. März 2009 zu Aktionstagen gegen den Kriegslogistiker auf. DHL und die Bundespost unterhalten in allen Städten Filialen und Einrichtungen. Mit Aktionen kann der Schulterschluss von Wirtschaft und Militär thematisiert und angegriffen werden.

Infos: http://dhl.blogsport.de/