Archiv für Dezember 2008

junge Welt: Kriegslogistiker DHL

Post-Tochter bewirbt sich um Bundeswehrauftrag

Kürzlich meldeten diverse Me­dien, daß die Deutsche Post die Zustellung von Briefen und Paketen von sechs auf fünf Tage in der Woche einschränken möchte. In einer anderen, lukrativeren Sparte will der Konzern hingegen expandieren. Die hundertprozentige Post-Tochter DHL bewirbt sich als Logistikdienstleister der Bundeswehr. Kriegsgegner nehmen dies zum Anlaß für eine antimilitaristische Kampagne.

Die Bundeswehr plant, im kommenden Jahr große Teile ihrer Logistik auszulagern. Bei ihrer im Sommer 2008 erfolgten Ausschreibung für den Bereich »Lagerhaltung und Distribution« handelt es sich um einen Milliardenauftrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Privatisiert werden soll neben der Lagerung und Bewirtschaftung von Bundeswehrmaterial auch der Transport von Militärgütern innerhalb der Bundesrepublik und weltweit an Kriegsschauplätze. Lediglich die Lagerung von Munition, Sanitätsmaterial und Treibstoffen bleibt noch unter Hoheit der Bundeswehr.

Zu den Bewerbern zählen neben der Post-Tochter DHL die Deutsche Bahn mit ihrem Transportunternehmen Schenker, die Dienstleistungsfirma Arvato aus der Bertelsmann-Gruppe sowie ein Konsortium unter Beteiligung der Bremer Hellmann Logistics und des Rüstungskonzerns EADS. Derzeit läuft das Auswahlverfahren. Im Frühjahr wird mit einer Entscheidung aus dem Verteidigungsministerium gerechnet. Die größten Chancen werden DHL eingeräumt. Die Deutsche Post transportierte schon 2002 Rüstungsgüter bis 50 Kilogramm und militärische Dokumente der Bundeswehr. Im Jahr darauf stieg DHL als Logistikpartner des US-Militärs im Irak und in Afghanistan ein. Parallel zur Bewerbung von DHL begann Ende August 2008 der Mutterkonzern Deutsche Post eine Werbeaktion zur Verbesserung der »Akzeptanz der Bundeswehr in der Öffentlichkeit«.

Um die Beteiligung des weltweit führenden Logistikkonzerns an der Kriegsführung öffentlich zu skandalisieren, starten Antimilitaristen eine Kampagne gegen DHL. Das Unternehmen stehe wie kein anderes für die Privatisierung der Kriegsführung, sagt Reiner Schmidt von der Interventionistischen Linken (IL) und der Initiative »Bundeswehr wegtreten« aus Köln. Die IL ruft deswegen zu Aktionstagen gegen den Kriegslogistiker auf: »Sie unterhalten Filialen und Einrichtungen in allen Städten. Hier läßt sich leicht eine Vielzahl von öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten entfalten. Der Schulterschluß von Wirtschaft und Militär kann so thematisiert und angegriffen werden.«

Die Initiatoren der Kampagne bezeichnen DHL als »Deutsche Heeres Logistik«. Sie zielen damit auf eine Image-Verschmutzung des Unternehmens, das um sein gutes Ansehen besorgt ist. Es versucht nämlich in der Öffentlichkeit, seine militärische Unterstützung auf die Zustellung von Feldpost herunterzureden. Genau hier versucht die Anti-DHL-Kampagne einzugreifen und den Konzern als Vorreiter bei der Verankerung von Krieg in Gesellschaft und Ökonomie in das richtige Licht zu rücken.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2008/12-15/026.php

IL: Aktionstage gegen DHL 7.2. und 14.3.2009

Aus einem Text der Interventionistischen Linken:

Aktionstage!
Am 7. Februar 2009 findet die alljährliche NATO-Sicherheitskonferenz in München statt. Wir begreifen die Demonstrationen und Aktionen gegen dieses Treffen der KriegsstrategInnen als Auftakt der Mobilisierung gegen das NATO-Treffen im April. Beteiligt euch an den Aktivitäten des Bündnisses gegen die Sicherheitskonferenz!

Zusätzlich rufen wir zu zwei lokalen Aktionstagen auf, an denen die Aktionskreise und auch einzelne Gruppen bundesweit ein deutliches Zeichen des Widerstandes gegen Militarisierung in die Öffentlichkeit tragen. Am 7. Februar und am 14. März 2009 wollen wir landauf und landab zeigen, dass Antimilitarismus kein eingemottetes Relikt vergangener Zeiten ist. Der Kampf gegen Militarismus muss auf die Tagesordnung Aller, denen die herrschenden Verhältnisse unerträglich sind, er ist historisch notwendig!

Mit den Aktionstagen wird die Politik zweier deutscher Konzerne in den Mittelpunkt gestellt, die Vorreiter der Verankerung von Krieg in Gesellschaft und Ökonomie sind: DHL, ein Konzern der Deutschen Post, ist ein herausragendes Beispiel für die Privatisierung der Kriegsführung. DHL wickelt nicht nur den Feldpostverkehr der Bundeswehr ab, er ist als weltweit führender Logistikkonzern zuständig für einen großen Teil des Materialtransportes der deutschen wie der US-Armee. Zukünftig wird sich diese Aufgabe wahrscheinlich erheblich ausweiten.

Daneben ist die Commerzbank führend bei der Umsetzung der Strategie der zivil-militärischen Zusammenarbeit – trotz Finanzkrise. Sie veranstaltet zusammen mit der Bundeswehr regelmäßige Treffen, bei denen stratebgische Absprachen zur engeren Anbindung der zivilen Eliten aus Politik, Industrie und Wirtschaft an die militärischen Strukturen getroffen werden. So wird eine Militarisierung nach Innen forciert – es formiert sich ein militärisch-ökonomischer Komplex, der sich in die Lage versetzt, weltweit Besatzungsregimes zu installieren. DHL und Commerzbank sind ganz vorne mit dabei.

Eingreifen!
Beide Konzerne bieten breite Angriffsflächen. Sie unterhalten Filialen und Einrichtungen in allen Städten. Hier lässt sich leicht eine Vielzahl von öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten entfalten. Der Schulterschluss von Wirtschaft und Militär kann so thematisiert und angegriffen werden. Die praktische Zusammenarbeit verschiedener linker Gruppen kann ein wichtiger Schritt sein, die Handlungsoptionen antimilitaristischer Arbeit zu erkennen und gemeinsam einen Schritt weiter zu kommen. Bildet lokale Aktionskreise! Seid aktiv an den Aktionstagen!

http://www.dazwischengehen.org